Motivation

Willkommen auf meinem neuen Blog lichtschreiber! Sie können hier in Zukunft regelmäßig neue Beiträge zu den Themen Motivation, Regulationpsychologie und zu kommunikationsrelevanten Aspekten finden. Ich möchte dabei aktuelle Themen der globalen Gesellschaft reflektieren und persönliche Erfahrungen, Einblicke in mein Arbeitsleben sowie meinen Bezug zum von Max Lüscher entwickelten System der Farbdiagnostik aufbereiten.

lichtschreiber zeigt Momentaufnahmen mit Langzeitwirkung im Sinne eines Fotos, das beim Betrachter auf mehreren Ebenen wirkt. Es bildet einen aktuellen Anlass ab und regt gleichzeitig zum Nachdenken an. Es greift ein Thema grundlegend auf und beleuchtet neue Aspekte. Es ruft Assoziationen hervor, überprüft den Kontext und hinterfragt die bisherige Sichtweise.

Ursprünglich war mein Plan, aus dieser Seite einen Blog über die Farbdiagnostik meines Lehrers Max Lüscher zu machen und die dabei wesentlichen Themen Motivation und Regulationspsychologie in Theorie und aktuellem Bezug näher zu beleuchten. – Jetzt ist der Blog ein Teil meiner Ende 2019 online gegangenen Website tageslichtschreiber, die meine Angebote als Kommunikations-, Unternehmensberater und Eventmanager abbildet, was sicherlich auch den Stellenwert der Lüscher-Farben und Farben an sich in meinem (Er-)Leben und Schaffen widerspiegelt.

Eines der beiden Kernthemen dieses Blogs, die Motivation, möchte ich in meinem ersten Blogpost heute näher beleuchten. Was ist also Motivation im weiteren und engeren Sinn und wie schauen Psychologen, Philosophen und Berater auf diesen Begriff? Was treibt einen (Leistungs-)Sportler an, was einen Politiker?

Farben

Der Farbtest nach Lüscher schafft mit wenig Aufwand Maximales: er misst (höchst)persönliche Werte eines Menschen und verzichtet auf Wertungen. Er führt den Getesten in ein Selbstgespräch, in dem sich der- oder diejenige offen selbst gegenübersteht und das eigene Verhalten – und vor allem die Gründe dafür – grundlegend und in den unterschiedlichen Lebensbereichen aufgezeigt bekommt. Der Getestete erhält so einen Schaltplan für seine Selbststeuerung.

Die Regulation des eigenen Handelns als Reaktion auf die Umwelt und einzelne Ereignisse und Situationen wird im Bereich der Regulationspsychologie thematisiert. Es ist bezogen auf die von Max Lüscher entwickelte Psycho-Logik der Farben eben keine Farbpsychologie, wie es gerne verkürzt dargestellt wird, denn die Farben sind nur ein Messinstrument – allerdings ein mächtiges, frei von den üblichen Meinungen und Wertungen in der Psychologie.

Es sprengt den Rahmen, hier tiefer in den Farbtest und die Psycho-Logik der Farben einzusteigen. In einem der kommenden Blogbeiträge werde ich dies gesondert tun, wahrscheinlich in einer Serie.

Vernunft bewegt mich, trotz der überbordenden Relevanz der Farbdiagnostik für den Begriff der Motivation, mich heute hier so rudimentär wie möglich mit den Farben zu befassen. Was ist Vernunft? Auch dazu folgt ein gesonderter Beitrag. Nur so viel: Vernunft kann nicht ohne Begriffe wie Einsicht und Selbstzwang erläutert werden. Der Selbstzwang ist die Konsequenz auf dem Weg zur Umsetzung einer erlangten Erkenntnis. Vernunft beschreibt den Erkenntnisprozess.

Was bewegt mich, was treibt mich an?

Als ich im Juni 2011 in Brunnen am Vierwaldstätter See mein erstes Seminar zum Erlernen der Farbdiagnostik von Max Lüscher besuchte, war meine Vorstellung zum Begriff Motivation leidlich psycho-logisch bezogen. Zwar war mein Verständnis des Begriffs schon darauf bezogen, was der Grund für das Handeln eines Menschen ist, allerdings in der Regel immer nur auf einen Ausschnitt gerichtet. Der erweiterte Zusammenhang war mir weder bewusst, noch klar. Das ganze Bild stellte sich mir nicht dar – ich suchte nicht einmal danach.

Motivation im engeren und weiteren Sinn

Was war denn damals meine Motivation, mich im Februar 2011 endlich zu dieser seit 2009 anvisierten Weiterbildung anzumelden? Der große Meister war damals bereits 87 Jahre alt und abgesehen davon, dass ich natürlich den Umgang mit den Farben und seinem berühmten Farbtest lernen wollte, waren da im Wesentlichen noch zwei andere Dinge: Zum einen wollte ich die Farben für meine beruflichen Belange nutzen (ich hatte dazu eine mehr oder weniger klare Vorstellung).

Die Seminare mit Max Lüscher waren auch ein bisschen wie eine äußerst unterhaltsame Aufführung, denn ähnlich wie in seinem großartigen Hörbuch Der 4-Farben-Mensch bot seine Seminargestaltung einen faszinierenden Mix aus Philosophie, Psychologie, Anekdoten, Fallbeispielen, Dialog, Diskussion, Miteinander, immer auch Erkenntnis sowie last, but not least eben auch Unterhaltung. Und es gab etwas, was es so heute nahezu nicht mehr gibt: einen durch die Herausforderungen des Lebens gereiften Menschen, der mit Kreativität, Haltung und Zielen eine echte Persönlichkeit dargestellt hat. Geprägt in einer Zeit, in der Konsum und Überfluss sowie technische Möglichkeiten nicht im heutigen Ausmaß vorhanden oder aber weniger ein Hindernis waren, als eine sinnvolle, ergänzende Option des täglichen Lebens.

Womit wir beim zweiten Grund wären: ich wusste nicht, wie lange Max Lüscher noch selbst diese Veranstaltungen leiten würde und egal, wie gut jemand ein Thema beherrscht, wenn er es selbst maßgeblich entwickelt hat, gibt es für ihn schlicht keinen Ersatz. Bei unserer ersten Begegnung 2009 war mir schnell klar, dass ich von ihm lernen wollte und da waren die Teilnahme an seinen Farbseminaren die logische und zwingende Folge.

Jörg-Christian Dippold mit Max Lüscher  beim Expertenseminar in Brunnen, Schweiz, 2012
Mit Max Lüscher beim sogenannten Expertenseminar in Brunnen, Schweiz, 2012.

Was ist meine Motivation?

Motivation bezeichnet die Gesamtheit aller Motive (Beweggründe), die zur Handlungsbereitschaft führen, und das auf emotionaler und neuronaler Aktivität beruhende Streben des Menschen nach Zielen oder wünschenswerten Zielobjekten. 

 [1] Pschyrembel: Klinisches Wörterbuch. 259. Auflage. Berlin 2002, S. 1087.
[2] Joseph Ledoux: Das Netz der Persönlichkeit. Düsseldorf 2006, S. 338 f. sowie Mark Bear, Barry Connors, Michael Paradiso: Neurowissenschaften. 3. Auflage. Heidelberg 2009, S. 571 f.

Motivation und Motive

Wenn ich davon ausgehe, dass das Erkennen und Wahrnehmen eines anderen Menschen im wesentlichen aus meiner eigenen Prägung und damit auch aus meiner Selbststeuerung erfolgt, dann würde ich Motivation wie folgt beschreiben und in Bezug setzen:

Die Verbundenheit von Menschen in einer Beziehung oder Gemeinschaft ist gekennzeichnet durch Vertrauen, verbale und non-verbale Kommunikation sowie das Spannungsfeld von Reiz und Reaktion. Orientierung (durch Ideale) und Zielverfolgung bilden dabei einen mehr oder weniger festen Rahmen. Die Ausgestaltung der zwischenmenschlichen Beziehungen erfolgt immer auf der Basis meiner Selbstgefühle (innere Zufriedenheit, Selbstachtung, Selbstvertrauen, innere Freiheit). Hier setzen die Beweggründe für das eigene Verhalten ein. Das führt im Idealfall als Reaktion zu einer täglichen Ausbalancierung der Selbstgefühle, da ansonsten Über- oder Untersteuerung die Folge sind. Motivation ist im Idealfall bewusste Steuerung des eigenen Handelns, kann natürlich genauso eine unbewusste Reaktion auf die eigenen Emotionen und Gefühle (Gestimmtheit) sein.

Ausprägungen von Motivation

Was ist nun also die (dauerhafte) Motivation eines Leistungssportlers? Was treibt einen Politiker auf die große nationale oder internationale Bühne? Ein Sportler wird sicherlich immer einen Antrieb aus dem Wettbewerb mit anderen Sportlern ziehen. Ein Politiker wird sich kaum von Gestaltungsdrang und Resonanz zu Macht und Aufmerksamkeit distanzieren können. Letztlich ist das Verhältnis der Motivationsbestandteile zueinander entscheidend und da wir lebendige Wesen sind, die sich immer weiter bewegen, bleibt nur die permanente Ausbalancierung. Wenn dabei Flexibilität abhanden kommt oder gar Fixierung von Gefühlen eintritt, dann geht es mitunter in den pathologischen Bereich und die Motivation für einzelne Handlungen steht nicht mehr im Einklang mit gesunden Selbstgefühlen. Das führt in letzter Konsequenz zu Frustration, Enttäuschung und Krankheit.

Haltung und Ziel allein bestimmen die Persönlichkeit.

— Max Lüscher

Motivation zum Handeln, die sich aus Status, Ideologien, Dogmen oder anderen unwesentlichen Aspekten speist, entfernt Menschen von sich selbst und verhindert Ver-Bindungen zu anderen Menschen und zur Natur. Wer also gegen die eigene Natur handelt, hat definitiv eine sehr zweifelhafte Motivation. Er oder sie kann nur durch Harmonisierung der Selbstgefühle die Basis für eine neue Balance schaffen. Das bedarf täglicher Übung.

Sich in sich selbst wohl zu fühlen sollte Motivation genug sein. Wer sich selbst genügt, hat alles gewonnen, hat alles, was er braucht.

Liebe und Anerkennung

Die Grundmotivation für menschliches Handeln lässt sich ohne das immerwährende Streben nach Liebe und Anerkennung kaum beschreiben. Wenn allerdings in den Selbstgefühlen und in der Selbstliebe der Schlüssel zu Zufriedenheit, Freude und Glück liegt, dann wird schnell deutlich, dass sich dieses Streben nach Zuneigung anderer nicht aus der Zielrichtung ergeben sollte, sondern aus der Haltung sich selbst gegenüber. Wer Respekt oder Zuneigung anderer erwartet, sich selbst aber nicht Wert fühlt oder gar seine Selbstachtung beschädigt, der wird scheitern und zwangsläufig in der Enttäuschung landen.

Flexibilität

Der Türöffner zu Ergebnisoffenheit und damit auch Toleranz liegt in der Flexibilität. Wenn ich keine (große) Erwartung habe, sondern nur ein mögliches Szenario im Kopf, dann schütze ich mich vor großen und dauerhaften Enttäuschungen und öffne die Tür zu mehr Spielraum, Kreativität, persönlicher Entwicklung, echten Begegnungen und dauerhaften, gesunden Beziehungen.

In den Farben und Selbstgefühlen kommt Flexibilität durch Selbstvertrauen (rot) und innere Freiheit (gelb) zum Ausdruck. Diese Kategorie erklärt sich durch die Kombination von Aktivität (rot) und Offenheit (gelb), die dem Menschen ein Handeln ermöglichen, je nach Situation, angemessen und nutzbringend zu (re)agieren.

Darin liegt die wahre Freiheit und ich kann mir keine schönere Motivation vorstellen, als frei durch ein erfülltes Leben zu gehen.


Exkurs: Was ist ein Leitmotiv? Ist der Begriff redundant?

Leit·mo·tiv/Leítmotiv/

Substantiv, Neutrum [das]

  1. leitendes, bewegendes Motiv, Leitgedanke: “ein Leitmotiv ihres Denkens, Schaffens”
  2. MUSIK
    häufig wiederkehrendes charakteristisches Motiv mit fester Zuordnung zu einer bestimmten (auftretenden oder vorgestellten) Person, Situation, Stimmung usw. (besonders in Opern, sinfonischen Dichtungen o. Ä.)

Ein Leitmotiv bezieht sich also mehr auf die Elemente von Dauer und Wiederholung bzw. Wiederkehr. Es ist nicht ganz unwichtig, sich Feinheiten und Unterschiede bei der Wortwahl und Bedeutung von Worten vor Augen zu führen. Die deutsche Sprache ist sehr präzise und Menschen sind mit Gewohnheit gesegnet und “verflucht”. Es empfiehlt sich daher, regelmäßig Wortbedeutungen zu überprüfen, zu hinterfragen und in Beziehung auf den eigenen Gebrauch und die damit einhergehenden Motive und Motivationen zu begreifen.

Nur so gelingt die tägliche innere Balance. Ich wünsche Ihnen beim täglichen Üben und Experimentieren viel Freude und Erfolg!

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